Bahnmotive der Strecke Halle/S. - Sangerhausen - (Kassel)  
     
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  Im Bahnhof Röblingen a See  
       
 

131 009 bringt den Gipser und hält zum Schwatz mit dem Fotografen an. Das Bild ist vom 05.12.83. Es ist 10:40 Uhr. Von der Zeit her passt die Zugnummer Gdg 56405. Mit dem Schwatz stimmte das freilich nur zur Hälfte, aber Lokführer W.G. verhielt sich nicht anders als die anderen Lokführer, wenn das Ausfahrsignal einen Haltbegriff zeigt. Heranrollen und hoffen, dass frei wird, bevor die ganz Fuhre völlig zum Stehen gekommen ist. Es waren immerhin ca. 1900 t wieder in Schwung zu bringen.

 
       
 

106 083 war im Rahmen der Elektrifizierung der Strecke zwischen Sangerhausen und Röblingen eingesetzt, soweit ich das beobachtet habe. Man hatte ihr - wie einigen anderen Loks der Baureihen 105 und 106 auch - einen Stromabnehmer auf das Dach montiert, der aber nur unter stromloser Fahrleitung zur "Grobregulierung" der neuen Fahrleitung diente. Die Aufnahme ist vom 24.02.91 und der Bauzug steht auf dem Gleis 4 des Bahnhofs Röblingen am See.

 
       
 

In den 80er Jahren beherrschten die rumänischen Dieselloks der Baureihe 119 den Personenverkehr auf der Strecke total. So total, dass man sich fotografisch nicht für die Kisten interessiert hat. Zudem hatte ich mit der Lok dienstlich zu tun. Die offenbarte da einige haarsträubende konstruktive Merkwürdigkeiten, dass man sich nur wundern konnte. Der alte Ingenieursgrundsatz, nach dem man eine Konstruktion (oder ein Bauteil oder eben eine Lok) doch so genau wie nötig und nicht so genau wie möglich auslegen soll, wurde von den Rumänen auf ein bisher nicht gekanntes Niveau

 
 

gehoben. 119 051 vom Bw Halle G - hier waren nur 119er vom Bw Halle G im Einsatz - steht am 19.08.81 auf Gleis 2 des Bahnhofs Röblingen am See. 

 
       
 

Als ich besser mit Belichtungszeiten und fahrenden Zügen umgehen konnte, als bei meinen allerersten Knipsversuchen am Bahnhof, blieb der "Gipser" - der berühmteste Güterzug auf der Strecke - regelmäßig in Röblingen zum Wasserfassen stehen und war bevorzugtes Fotoobjekt. Der Ganzzug aus Spezialwagen KKt brauchte von

 
       
 

Niedersachswerfen nach Coswig/Anh über Halle reichlich 7 Stunden. Eigentlich hieß der DG 56405 und der fuhr nicht immer über Röblingen. Übliche Laufwege führten auch über Sandersleben, Köthen und Dessau. Die Steigung von Sangerhausen forderte ihren Tribut und so hatten auf dem Weg nach Halle fast alle 44er am Bahnsteig 2 in Röblingen Wasserhalt und es ging beim Anfahren zur Sache. Hier steht 44 0090 am Wasserkran am 05.01.80. Die Anfahrt habe ich nicht immer fotografiert, manchmal dauerte

 
       
 

es mir zu lange, manchmal war es zu kalt. Im Sommer sah das ganz anders aus. Der 13.08.81 war ein heißer Tag.

Mit dem Gipser stand die Nordhäuser 44 0858 am Wasser. Ich saß beim Mittagessen. Es gab Rouladen mit Klößen und um davon aufzustehen, bedurfte es schon einer besonderen Aufforderung. Ein langer, typischer Pfiff zeigte, dass im Bahnhof ein Zug mit einer 44.0 abfährt.

Besteck weg ... Fotoapparat schnappen ... Treppe runter ... Moped (3,6 PS :-)) starten ... während der Fahrt Film irgendwie einlegen ... zum Bahnhof jagen ... Fotos machen ... hinterher schauen ... zurückkehren ... weiter essen ! Ich weiß, das versteht nicht jeder und vor allem nicht jede. Heute hat sich das bei mir auch total gelegt :-)

Das Ganze hat nur wenige Minuten gedauert und ging nur, weil der Zug eben eine gewisse Zeit zum Anfahren brauchte. Und es gab richtig was zu hören und - wie zu sehen - was zu sehen. Konnte man sich doch nicht entgehen

 
       
       
 

lassen, oder ? Und warum der Stress ?

Es gab keine Fahrzeitenlisten wie 150 km weiter westlich und wenn ich Zeiten hatte, dann hielten sich die Züge nicht daran. Es war immer absolute Glückssache, einen Güterzug mit Dampf zu erwischen.

Das Glück war mir am 20.12.80, ein Sonnabend, auch nicht besonders hold, denn auf dem Weg zum Bahnhof kam mir schon 44 0056 entgegen, obwohl ich mir noch gar keine richtige Fotoposition gesucht hatte. Abgedrückt habe ich trotzdem, ein bisschen von der Lokomotive war ja zu sehen und Stimmung war ja auch.

So zog die Fuhre, während ich da auf der Güterrampe stand, mit sattem Sound vorbei. Aber man musste sich nicht ärgern, es bestand ja jeden Tag die Möglichkeit der Wiederholung, bis sie eben irgendwann nicht mehr bestand...

 
       
 

118 723 vom Bw Jüterbog hatte, wie im Bild zu sehen, den für sowjetisches Militärpersonal bestimmten Zug  БРЄСТ-ЄРФУРТ zu befördern. Der bestand aus so genannten Weitstreckenwagen vom VEB Waggonbau Ammendorf nach der Fahrzeugumgrenzung 1-WM der sowjetischen Staatsbahn. Die in der DDR befahrenen Strecken mußten dieser Umgrenzung entsprechen. Die gültige Lichtraumumgrenzung nach § 11 Abs.2 der Bau- und Betriebsordnung (BO) DV 300 (heute EBO) wurde auf der Grundlage einer Vereinbarung der Bahnen der Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen (OSShD) deshalb 

 
 

ergänzt. Und zwar hat man für die Mitgliedsbahnen der OSShD ab 1.1.1958 die Lichtraumumgrenzung 1-SM für verbindlich erklärt. Bei der DR hieß die 1-SM/DR. Nun war diese Umgrenzungslinie grundsätzlich beim Neubau, der Erweiterung und beim Umbau von Strecken anzuwenden. Zwischenzeitlich hatte die UIC die kinematischen Begrenzungslinien nach den Merkblättern 505-1 bis 3 bei ihren Mitgliedsbahnen eingeführt. Untersuchungen ergaben nämlich,  dass ein größerer lichter Raum, als in DV 300 festgelegt, eben wegen der kinematischen Auslenkung der Fahrzeuge, nötig war. Da konnte sich die DR beruhigt zurücklehnen, denn 1-SM/DR schloss diesen Raum ein. Man hat das unter Berücksichtigung der o.g. UIC-Merkblätter sowie des UIC-Merkblattes 505-4 (Auswirkungen der Anwendung der kinematischen Begrenzungslinie nach den UIC-Merkblättern 505 auf den Abstand fester Gegenstände vom Gleis und auf den Gleisabstand) in einer neuen Lichtraumumgrenzung ÜR/DR zusammengefasst.

Nun standen 1-SM/DR und ÜR/DR nebeneinander. Die Anwendung der beiden Standards war abzugrenzen. Die Festlegung zur Abgrenzung lautete: Die Anwendung der 1-SM/DR erfolgt auf besondere Verfügung der Hauptverwaltung der DR. Sinn war der beabsichtigte Austausch von Wagen zwischen den beteiligten Bahnen, davon ein großer Teil der (sowjetischen) Wagen zweifellos mit Militärtechnik. Aus heutiger Sicht war 1-SM/DR unter Berücksichtigung eines zusammenrückenden Europas ein richtiger Schritt. Dass die generelle Durchsetzung auch in Westeuropa letzten Endes nichts wurde, ist den Eisenbahnen der OSShD nicht anzulasten. Die Fahrzeuge wurden jahrzehntelang für den Einbau der Mittelpufferkupplung vorbereitet. Es befremdet heute schon ein wenig, dass diese Entwicklung abgebrochen wurde. Das heißt, die kinematische Umgrenzungslinie nach den genannten UIC-Merkblättern wird natürlich weiter verfolgt. Die Chancen, den Austausch von Fahrzeugen unter Einbeziehung der russischen Bahn freizügig möglich zu machen, ist vertan. Aber vielleicht will man das ja auch gar nicht wirklich. So konnten jedenfalls die sowjetischen Wagen bei uns fahren und der Lokführer musste nicht befürchten, dass die irgendwo eine Dachrinne herunter reißen, als er am 16.09.91 mit diesem Zug unterwegs war.

 
       
  lew_151124_rn_040806_c_b800.jpg (131862 Byte)

Und so sieht das heute aus. Flächendeckend gesund fürs Auge und die Kaninchen, wenn die denn bisschen aufpassen auf die Züge. Am 04.08.2006 hörte man keinen Zug mehr ausfahren. 151 124 brummt mit einem polnischen Kohlebunkerzug - bei dem man nicht immer genau weiß, in welche Richtung der mit Kohle beladen fährt - durch Röblingen. Unspektakulär. Alltäglich. Ich bedanke mich bei lew für das schöne Bild. Ich habe dort noch keine 151 fotografiert. Vielleicht erinnere ich mich aber nur nicht daran.
Foto mit freundlicher Genehmigung von lew

 
 
 
  Pension Familie Waack in Röblingen - Frische Brötchen zum Frühstück in gemütlicher Atmosphäre beim Eisenbahner  
 
 
   
 
 
  text und fotos, falls nicht anders erwähnt   ©    hans-peter waack dresden     letzte bearbeitung 27.01.10   home