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Eindrücke von der Eisenbahn in Singapur (2) und der lange Weg zum...


Im Jahre 2005 war hier Schluss mit Fotos. Bis zum Lokschuppen war ich nicht vorgedrungen und hatte mich seinerzeit damit abgefunden. Ein Jahr später war der Eastern & Oriental - Express wieder das Objekt der Begierde. Der berühmte Zug sollte am 21.12.06 zur letzten Fahrt des Jahres nach Bangkok aufbrechen. Anfang Dezember begab ich mich wieder gleich nach der Ankunft in der Löwenstadt zum Bahnhof. Nicht auf dem kürzesten Weg, das wäre verkehrt. Es gibt zu viel zu sehen und zu erleben unterwegs. Auf dem Weg dahin bietet sich ein Besuch des Lau Pa Sat Festivalmarket an, ein im viktorianischen Stil errichtetes gusseisernes Hawkercentre (etwa mit Imbisscenter zu übersetzen) in dem man ganz leckere  

23 104 im Bw Singapur 23.10.05

Sachen zum Frühstück bekommt. Man könnte aber auch morgens um 8 Uhr schon schärfste Tandoori - Gerichte aus Indien zu sich nehmen, wenn man das will. Ich will das immer. Neben Nordindisch, Südindisch, Koreanisch und und und gibt es auch einfach nur Chinesisch. Die Preise bewegen sich auf einem sehr angenehmen Niveau von etwa 2-6 S$. Man kommt nicht daran vorbei und wenn man sich die Bilder anschaut, wird das vielleicht verständlich. Unbedingt zu empfehlen. Von der MRT-Station Raffles Place ist es keine 5 Minuten weit. So leer wie auf dem rechten Bild ist es aber wirklich nur ganz früh am Morgen. Im Verlauf des Tages kann man dort das wahnsinnige Treiben der scheinbar ständig essenden 

Lau Pa Sat Festivalmarket 05.12.06

Singapurianer erleben. Und wenn man dann in den Tunneln der MRT- (Metro)-Stationen läuft, kommt man nicht nur wegen der Sauberkeit ins Staunen.

rechts und links Singapur Lau Pa Sat Festival Market  05.12.06

Noch niemals habe ich auch nur einen Schnipsel Papier herumliegen sehen. Es gibt auch keine dieser dämlichen Grafitti - Schmierereien. Die Gestaltung der Stationen und Tunnel ist absolut modern und interessant. 


Beispiele gefällig ? Links oben ein Zugang zum Raffles Place am 05.12.06 und rechts daneben die Station Clark Quay am 21.12.06. Man kommt kaum vorwärts in den Tunneln, denn die sind nicht einfach nur Tunnel und Stationen. Man könnte sich zum Beispiel einer kosmetischen Behandlung in der Station unterziehen oder einkaufen oder essen gehen. Manchmal weiß man nicht, ob man noch in einer Station ist oder doch schon im nächsten Kaufhaus. Das System funktioniert jedenfalls perfekt und das ist ja der Sinn der Sache. Die Singapurianer befinden sich, wenn sie nicht essen oder schlafen oder arbeiten, offensichtlich nur im Kaufrausch.  

Singapur MRT-Station mit Kosmetikabteilung 06.12.07

Die Erfüllung ist das sicher nicht, aber die Leute funktionieren recht gut im Sinne derjenigen, die was verkaufen wollen. Extrem lange Schlangen an den Läden, in denen es die trendigsten Handys gibt, sprechen eine deutliche Sprache. Für die letzten Meter zum Bahnhof lohnt ein Taxi. Am Bahnhof in der Empfangshalle hängt immer noch die scheinbar ewig gültige Fahrplantafel. Da wird man erst einmal feststellen, dass das Zugangebot im Grunde recht schwach ist und von den paar Zügen auch noch welche in der Nacht fahren. Ansonsten wird man von der Bahnhofshalle mit seiner für Singapur drittklassigen "Gastronomie" enttäuscht sein. Die Empfangshalle vermittelt nicht das Gefühl, in der Supercity angekommen zu sein. 

Singapur railway station 05.12.06 Fahrplantafel

Eher doch das Gegenteil. Dann wieder das Problem, nicht über den Bahnsteig zum Güterbahnhof laufen zu können. Es gibt nur den Umweg über das - sehr interessante - Wohngebiet Spottiswood-Park. Auch die angrenzenden alten chinesischen Häuser - schön restauriert und weitab von den üblichen touristischen Routen - lohnen den Abstecher. Doch das war nicht das Ziel an diesem Tag. Das war der Güterbahnhof und das Bahnbetriebswerk, welches aber auch ein Wagenwerk sein kann. Wahrscheinlich beides. Der Güterbahnhof, das hatte ich Jahre vorher schon feststellen 


müssen, ist wirklich gut eingezäunt und hat einen Haupteingang, der zeitweise geschlossen ist. In diesem Fall findet sich aber eine Lücke in Form einer Drahttür am Ende der Spooner Road, einem 

links Spottisroad, rechts Chinatown 05.12.06

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Eisenbahnerwohnviertel. Alle Eisenbahner, die ich im Laufe der Jahre getroffen habe, wohnen in demselben Block. Dummerweise stehen im Bahnhof meist extrem lange Züge und man sieht nicht, ob eine Lok dran ist und rangiert, weil die Gleise in einer ziemlichen Kurve liegen. Da verbietet es sich, über die Wagen zu steigen, die alle keine Rangiererbühnen oder Rangierertritte haben. Es bleibt nichts weiter übrig, als um die Züge herumzulaufen, was bei 30 Grad nicht unbedingt Spaß macht. Zuerst traf ich auf 25 102, die rangierte. Und im Hintergrund war der Lokschuppen. Da wollte ich hin. Nun endlich. So lief ich der Maschine hinterher. Von weitem konnte man 

Singapur railway station 05.12.06 

schon sehen, dass da im Lokschuppen nichts los war. Ich hielt es trotzdem für sinnvoll, beim Fahrdienstleiter nachzufragen, ob ein Foto möglich ist. Seinen mit Yes eingeleiteten Satz beendete er aber mit der Bemerkung ... but there is no machine on duty and also no freight-train today. Na schön, nun war ich da und es war nichts los. Güterzug wäre schön gewesen, weil der in der Keppelroad Station in Singapur eben selten zu sehen ist. Die Züge werden meist im Stadtteil Jurong verladen. Aber das war halb so schlimm, denn erst am 21.12.06 sollte der Eastern & Orient Expresses nach Bangkok fahren und ich holte mir gleich eine, wenn auch mündliche, "Fotoerlaubnis" für diesen Tag. Die wäre sicher nicht nötig, es ist 

Singapur Güterbahnhof 05.12.06 

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aber interessant, mit den Eisenbahnern zu reden und so etwas ein bisschen abzuklären. Die Leute sind alle Mitarbeiter der Malaysischen Staatsbahn und sehr freundlich, wozu auch wieder einige der dort unbekannten Zigarillos der Marke Moods beitrugen. Geglaubt haben die freundlichen Leute allerdings nicht, dass dieser Tourist aus Deutschland nur wegen dem Zug in 2 Wochen noch einmal auftauchen will. Bei einem kurzen Abstecher zum Schuppen konnte man dann einige Arbeiter an verschlossen abgestellten Wagen des Eastern & Orient Expresses werkeln sehen. Die Leute waren nicht sehr gesprächig und auf ein Foto von Weitem habe ich verzichtet. Man muss Verständnis haben. Der Zug wurde mit einem  

Fahrdienstleiterstellwerk "the cabin" Singapore railway station 05.12.06 

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finanziellen Riesenaufwand zu dem umgebaut, was nun auf Schienen steht. Und es ist zu vermuten bzw. ist es ziemlich sicher, dass der Zug nicht nur Freunde hat, denn die damit herumfahren sind in den Augen der einheimischen Bevölkerung stinkreiche Leute, die im Kolonialstil reisen. Wenn man dann noch weiß, dass selbst normale Personenzüge mit Steinen beworfen werden - man schaue sich die Scheiben an - weil da Leute drin sitzen, die so reich sind, dass sie sich eine Zugfahrt leisten können, kann man sich mit etwas Phantasie ausmalen, wie so ein Zug von der armen Bevölkerung aufgefasst wird. Vielleicht ist damit auch zu erklären, dass es nicht ganz einfach ist, die genauen Fahrzeiten zu erhalten. Die Zeiten auf 

Singapur Güterbahnhof 05.12.06 

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den großen Bahnhöfen findet man aber im Internet. Da war ich also schon ziemlich nah dran. Der Zug selbst war aber zu dieser Zeit in Bangkok. Das Bedürfnis mitzufahren, verspüren wir nicht. Auch wenn es suggeriert wird, man erlebt im Zug nicht Asien. Man erlebt den Kolonialstil mit vorgeschriebenem Dresscode, was ja nun soweit weg von Asien ist, dass es gar nicht weiter geht. Zweifellos wird absoluter Service geboten und der Fünf-Uhr-Tee auf die Minute serviert. Wir trinken sonst aber auch keinen solchen Tee, da wollen wir uns erst gar nicht daran gewöhnen. Zum anderen ist von der versprochenen Landschaft in Malaysia nicht mehr viel ursprünglich. Die Stelle, bei der sich auf einem werbewirksamen Bild der 

Singapur Güterbahnhof 05.12.06 

Aussichtswagen durch den dichten Urwald kämpft, dürfte es so nicht geben. Und wahrscheinlich merken die Fahrgäste auch nicht, dass da auf auf den ersten vielleicht 400 km (!) pausenlos in Monokultur angebaute Ölpalmenplantagen am Fenster vorbeiziehen, die mit Urwald überhaupt nichts zu tun haben und sich mit ebenfalls in Monokultur angebauten Kautschukplantagen abwechseln, auf denen die, die sich so eine Fahrt niemals leisten können, für einen Hungerlohn die Grundlage für die immensen Gewinne der Reifenindustrie schaffen. Vielleicht finden die Fahrgäste aber die rote Landschaft um Ipoh schön, die auf Grund des extensiven Zinnbergbaues an die Mondlandschaft der ehemals mitteldeutschen 

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Singapur Bukit Timah railway station 05.12.06 

Tagebaue erinnert, nur viel größer und viel röter. Gut jetzt, ich schweife ab. Der Zug hat seine Berechtigung und erfreut ja auch die Fotografen. Aus fotografischer Sicht wäre aber doch schon mal eine besondere Lokomotive wünschenswert. Ich bin mir nicht sicher, ob es in Malaysia noch eine betriebsfähige Dampflok gibt. Energieversorgungsseitig ist der Zug sicher autark. Allerdings würde es auch schon reichen, wenn ich den Zug nun endlich mal ordentlich vor die Linse bekommen würde. Zu diesem Zweck habe ich im Anschluss an den Bw-Besuch mal den Bahnhof Bukit Timah in Singapur aufgesucht, um mal zu schauen, ob sich da fotografisch was machen lässt. Das Ergebnis war: Ja. Ein wunderschön 

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Singapur Bukit Timah railway station 05.12.06 

gelegener Bahnhof, sehr gepflegt und wirklich fotogen. Die Gleise frisch geschottert. Die Frage nach einem Zug, den man hier fotografieren könnte wurde vom Kartoffeln schälenden Bahnbeamten im Grunde wortlos, ohne den Blick von den Kartoffeln zu nehmen, negativ beantwortet. Der Bahnhof ist eine Kreuzungsstelle und hier werden die Fahraufträge übergeben. Man kann auch noch uralte Stellwerkstechnik sehen. Es wird vermutlich nicht mehr ewig  


dauern, bis es eine elektrifizierte Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Kuala Lumpur und Singapur gibt. Nördlich von Kuala Lumpur bis Ipoh läuft dieses Bauprogramm schon, wie man hört. Sogar zweigleisig. Man wird bis 160 km/h fahren, was auf 1000 mm schon interessant und für asiatische Verhältnisse wirklich schnell ist. Man darf gespannt sein, wie sich das mit der asiatischen Mentalität vereinbaren wird, wenn die Züge übers Land fliegen. Die Leute sind das einfach nicht gewohnt und brauchen Zeit, um die Wäsche von den Gleisen zu nehmen, wenn ein Zug kommt. Die Zeit haben sie bisher. Da ist es wahrscheinlich vorbei mit der Romantik, die es stellenweise natürlich noch gibt. Ich nahm mir vor, das Foto am 

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Singapur Bukit Timah railway station 05.12.06 


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21.12.06 hier im Bahnhof zu machen. Jetzt musste ich nur noch die Zeiten rauskriegen, wann es frühmorgens losgeht und wenn er denn endgültig abfährt. Die Informationen vom Fahrdienstleiter waren irgendwie nicht ganz eindeutig und widersprachen bezüglich der Abfahrzeiten den Angaben auf der Webseite des Zugbetreibers. Da es mich auch interessierte, wenn der Zug am Morgen zusammengebaut und bereitgestellt wird, musste ich irgendwie zu diesen Informationen kommen. Aber zunächst ging es zur Götterinsel Bali und dort ergab es sich zufällig, dass gerade eines der größten Feste dieser wunderbaren Insel - das aller 210 Tage stattfindende Galungan - gefeiert wurde. So etwas gehört zum Besten, was man 

Tempel Pura Sakenan Bali 09.12.06 

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dort überhaupt erleben kann. Zufällig kam bei der Reinigungszeremonie mein Fotoapparat mit heiligem Wasser in Berührung, welches die Priester verteilten. Ein gutes Ohmen für den Orient-Express ? Nach Rückkehr nach Singapur am 20.12. brachten auch die nächsten Versuche, die Daten für Vorbereitung und genaue Abfahrt des Eastern & Orient Express herauszubekommen, keine Ergebnisse. Es blieb nur, ganz früh am Morgen zum Bahnhof zu fahren, nachzuschauen und dann noch in das Bw zu fahren. Daraufhin machte meine liebe Frau den - für mich völlig überraschenden :-) - Vorschlag, noch ein bisschen zum abendlichen Weihnachtsshopping auf die berühmte Orchard Road zu fahren. Bei 

Singapur Orchard Road 20.12.06 

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30 Grad kommt da richtig Weihnachtstimmung auf aber interessant ist das allemal. Man fährt vorteilhafter Weise mit der U-Bahn, der Verkehr ist einfach unglaublich. Ohne Ampeln kommt man nicht über diese Straße. Und plötzlich beobachtet man merkwürdiges Verhalten, wobei ich ausdrücklich auf den Reportagecharakter der 3 aus der Hand gemachten available light - Fotos auf der praktisch lichtlosen Kreuzung hinweise :-). In der kurzen Phase von vielleicht 20 Sekunden, in der auf der Kreuzung zweier fünfspuriger Straßen die Ampeln alle rot zeigen, verwandelt sich diese Kreuzung zu einem 

Singapur Orchard Road 20.12.06 

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riesigen Tanzareal oder Marktplatz oder sowas Ähnlichem. Alle stehen auf der Kreuzung und schwatzen und tanzen. Einer steht in der Mitte der Kreuzung auf einem Podest und dirigiert das alles und fast alle Fußgänger machen mit, bis auf die, die das gar nicht bemerken. Nach wenigen Sekunden ist das vorbei und der Verkehr flutet wieder - bis zur nächsten Rotphase. Da wiederholt sich alles. Einfach unglaublich. Tolle Idee. Wollen wir das mal in Deutschland versuchen ? Wie lange wird es dauern, bis die ersten entnervten 

Singapur Orchard Road 20.12.06 

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Fahrer aus ihren Karren springen ? Mir ging derweil der Zug nicht aus dem Kopf und die Überlegung, wie ich das denn nun am nächsten Morgen machen sollte. Mit der Bemerkung, was essen gehen zu wollen, beendete meine liebe Frau die Überlegungen. Man kann in der Orchard Road keine 50 m laufen, ohne an einem Futterstand, Restaurant oder Hawkercenter vorbeizukommen. Die Straße ist denn auch regelmäßiger Gastgeber des Singapore Food Festival, eine Erfindung der Stadt um Besucher zu requirieren und Umsatz anzukurbeln. Wir ließen uns geschafft in einem solchen Hawkercenter nieder. Der Name bedeutet, dass man fliegende Händler (Hawker) in einer Art Imbisszentrum zusammengefasst hat. 

Singapur Orchard Road 20.12.06 

In den neuen großen Hawkercentern am Marina Square kann man mehr als 80 Stände unter einem Dach sehen. Die Auswahl an Speisen aus ganz Asien ist gewaltig. Wir bevorzugen nord - und südindisches Essen. Wie immer :-) Es war, wie in jedem Hawkercenter, rammelvoll. Aber nun sollte etwas wirklich ganz Unglaubliches passieren. Wir suchten uns zwei Plätze an einem Tisch mit zwei jungen Leuten und kamen, wie so oft oder fast immer in Asien unkompliziert ins Gespräch. Man muss dazu wissen, dass der Lärm in so einem Fresstempel enorm sein kann und dort, wo wir saßen, verstand man sein eigenes Wort kaum. Die Unterhaltung war insofern etwas schwierig und man verstand nicht immer alles gleich. Sie fragten nach dem Wohin und Woher und in welchem Hotel wir wohnen und erzählten, dass sie hier 


nicht Ferien machen, sondern arbeiten. Auch in einem Hotel. Und sie würden mal hier und mal da arbeiten, je nachdem, wo sie die Hotelkette brauchte. Manchmal arbeiten sie in Thailand, manchmal in Malaysia, je nachdem. Das ist ja nichts Ungewöhnliches in Asien. Das Hotel hätte auch keinen Namen und wir würden das ohnehin nicht kennen. Aber schon morgen würden sie z.B. in Malaysia arbeiten. Die Unterhaltung dauerte dann schon 15 Minuten und zwischendurch hörte ich immer mal was wie "Das Hotel ist eine Kette" und "sehr beweglich, flexibel" usw. 


Ich fragte ihn - nicht ganz ernst gemeint - ob das Hotel zufällig so beweglich ist, weil es vielleicht Räder hat, denn so eines würde ich kennen und das steht in Singapur zur Zeit im Bahnhof herum und fährt morgen nach Malaysia aber das ist ein Zug ?? Ja, sagte er, das ist der Eastern & Oriental Express, der morgen nach Malaysia fährt, den würde er selbstverständlich bestens kennen, denn das wäre das Hotel, in dem sie arbeiten. Und er wäre der check in - manager. Und woher ich denn den Zug kennen würde. Junge, dachte ich bei mir, was denkst du, warum ich hier bin ??


Mir fiel dann noch die Kinnlade herunter und es entstand eine größere Pause. Kann das sein ? Kann es so einen Zufall geben, dass wir seit Tagen die Informationen zum Zug gesucht und nicht bekommen haben und jetzt in der 4-Millionen-Stadt in einer von x-tausend Imbissbuden an einem Tisch mit genau den Leuten sitzen, die mit Sicherheit alles wissen, was wir suchen ? Meine liebe Frau war auch sprachlos. Und sie wussten alles.


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Wir verabredeten uns 08:00 Uhr am nächsten Morgen und vielleicht wäre noch etwas Zeit, einen Wagen zu besichtigen, nach Einweisung seiner Mannschaft gegen 08:30 Uhr würde er gegen 09:30 Uhr am check in - Schalter in der Bahnhofshalle sein und wir könnten gern mal vorbei kommen. In der Zeit ab 09:30 würde der Zug an den Bahnsteig gefahren. Ich war immer noch baff. Das alles konnte nur mit dem heiligen Wasser im Zusammenhang stehen, mit welchem uns auf der Insel Bali der Priester bespritzt hatte. Als wir uns nach herzlicher Verabschiedung auf den Heimweg machten, zeigte uns die Regenzeit knallhart, wie das ist, wenn es in Singapur richtig regnet und das war alles andere als  heiliges Wasser, was da 

Singapur railway station  21.12.06

vom Himmel kam. Und vor allem war es viel, viel mehr und es hörte die ganze Nacht nicht auf zu regnen, was kein gutes Licht am nächsten Tag erwarten ließ. Zum Glück regnete es am Morgen aber kaum noch. Auf dem Weg zum Lokschuppen sah man das Wasser in den Abflusskanälen fließen, ein untrügliches Zeichen für die Unmengen, die der Regen brachte. Um 08:00 Uhr stand ich am Lokschuppen. Die dieses Mal ganz blank geputzte Lok 24 126 war auch schon da. 

Und die Jungs kamen auch pünktlich und hatten aber doch keine Zeit für eine Zugbesichtigung und es gäbe irgendein Problem. 

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Singapur railway station  21.12.06 

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Sie waren sehr kurz angebunden. Im Fernsehfilm "Im Luxuszug durch das Herz Asiens", der immer mal gesendet wird, kann man die Jungs übrigens im und am Zug in Aktion sehen. Ich wollte ohnehin noch einige Fotos im Gelände machen, denn am Lokschuppen war heute mal richtig was los. 3 Loks, das war selten.

Leider habe ich den Zettel mit den Namen und email nicht mehr: Dear Friends, I am sure you will remember those days in december 2006 and perhaps you will read here. Do not hold back, to contact me :-) With best regards peter

Singapur railway station  21.12.06



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Beim Rangieren traf ich einen mir aus dem Vorjahr bekannten Lokführer, mit dem man herrlich schwatzen kann und der - wie seine Lokomotive - die indischen Wurzeln nicht verbergen kann. Dieser äußerst sympathische Mensch ist der Mann rechts. Er erwähnte eher beiläufig, als ob es das Selbstverständlichste war, dass die Strecke in Malaysia nördlich von Johor Bahru in der Nacht vom Regen unterspült worden sei. Mir schoss es durch den Kopf, dass es dort nur eine Strecke gibt. Das bedeutete dann wohl, dass der E&O Express Verspätung bekommen wird, dachte ich bei mir und hatte Bedenken, denn der Rückflug nach Deutschland stand am frühen Nachmittag an. Lange konnte ich da nicht warten.  

Singapur railway station  21.12.06

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Nein, sagte der Lokführer, der fährt heute überhaupt nicht.

Ich konnte es nicht glauben.

Mein Problem mit dem Rückflug hatte sich schlagartig erledigt. Ein neues mit dem E&O Express kam hinzu. So richtig wollte ich es dennoch nicht wahrhaben und schöpfte neue Hoffnung, als man die Zuglok dann doch klar machte und vom Schuppen wegfuhr. Wiederum ohne jede Hektik erklärte man mir, dass das nur den Zweck hat, ein Lori aus dem Schuppen zu holen, um damit auf die Strecke zur "Spülstelle" zu fahren. 

Singapur railway station  21.12.06

Die angebotene Mitfahrt musste ich schweren Herzens ausschlagen, denn wer weiß, wie lange das gedauert hätte und dann eventuell ohne Einreisestempel für Malaysia nach Singapur über die Strasse einreisen zu wollen, hätte vermutlich ungeahnte Probleme gemacht. So eine Fahrt im Lori wäre aber schon was gewesen. So endete die lange Vorbereitungszeit auf das Foto vom Eastern & Oriental Express in Singapur mit der unspektakulären Vorbeifahrt eines Loris mit zwei kleinen Plattenanhängern. Alles Hoffen und Bangen, all die unglaublichen Zufälle auf dem Weg, die Informationen zu bekommen, alles heilige Wasser hatte nichts genützt. 

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Singapur railway station  21.12.06 

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Der unheilige Regen hat alles weggespült. In Westmalaysia wundert mich das nicht, denn hier wird der Erosion durch das unsägliche Abholzen des tropischen Regenwaldes unglaublicher Vorschub geleistet. Es ist erschreckend, wie vielen Tropenholztransportern man in Malaysia begegnet. Die Europäer sind daran unmittelbar und massiv beteiligt, denn Tropenholz lässt sich an zahlungskräftige Kunden teuer verkaufen. Vielleicht saß ja so ein Holzhändler mit im Zug. Dem möchte man zurufen: Siehste, das haste nun davon...!

Singapur railway station  21.12.06 

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Es war nicht herauszubekommen, wann der Zug abfahren würde. An diesem Tag jedenfalls nicht mehr. Und es spielte auch für das Foto keine Rolle. 

Doch auch aus solchen Situationen ergeben sich positive Momente. Der unaufgeregte Umgang der Eisenbahner mit dieser Situation war bemerkenswert. Das war zunächst unabänderlich und man würde es reparieren und dann geht es weiter.
Der anfängliche Ärger, der sich in uns wegen des Zugausfalles so ein bisschen anstauen will, wird ganz klein, wenn man das Erlebte z.B. mit dem zu erwartenden Schicksal diese Meerestiere vergleicht. 

Singapur railway station  21.12.06 

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Die haben wirklich ein Problem. Ich dagegen hatte doch die nicht alltägliche Chance, ein kleines Lori auf der Strecke fotografieren zu können, das wirklich selten zu sehen ist. Dazu war es schön warm. Und der E&O fährt regelmäßig, den krieg ich später auch noch vor die Linse. Ist eben bloß keine Sonntagsnachmittagstour. Man musste einfach nur den nächsten Urlaubszeitraum mit dem Fahrplan des Expresszuges abstimmen und mit Hilfe von heiligem Wasser sollte es dann doch vielleicht mal klappen.

Das Urlaubsziel für 2007 war geboren. Hier geht es weiter.

Singapurianische Krabben  21.12.06 
 
 
   
 
 
  der lange weg zum eastern & oriental-express teil 1      
  text und fotos, falls nicht anders erwähnt   ©    hans-peter waack dresden     letzte bearbeitung 06.01.10   home