Eisenbahn   Deutschland   Röblingen a See  
  Das Bahnbetriebswerk Röblingen a See  
  Teil 2     1900 - 1945  
     
     
   
     
   
  Teil 1 1872 - 1900 Gründung  
  Teil 2 1900 - 1945 Aufstieg und Kriegsende  
  Teil 3 1945 - 1970 Neuanfang  
  Teil 4.1 1970 - 1981 Verdieselung und Dampfende  
  Teil 4.2 1981 - 1991 Auflöung als selbständiges Bw  
  Teil 4.3 1991 - 1994 Auflösung der TF-Einsatzstelle  
  Teil 4.4 1994 - 2007 Abriss und Nachsatz  
  Teil 5 Die baulichen Anlagen  
  Teil 5.1 Die Wasserversorgung  
  Teil 6 Die technischen Anlagen  
  Teil 6.1 Die Werkstatt  
Teil 7 Die Heizlokomotiven im Bw Röblingen
  Teil 8 Ein bisschen Lokomotivstatistik
  Teil 9 Ein paar Lokschilder röblinger Lokomotiven
  Teil 10 Bemerkungen zum Bahnstandort Röblingen am See und zum Bahnhof  
  Teil 11 Zeittafel der letzten 250 Millionen Jahre in Röblingen am See  
  Teil 12 Ein paar Bilder röblinger Lokomotiven Dampf  
  Teil 12.1 Ein paar Bilder röblinger Lokomotiven Diesel  
       
     
   
     
  Kleiner Beitrag zur Geschichte     1900 - 1945  
       

Die Preußische Staatsbahn hatte um die Jahrhundertwende eine große Zahl von 3-fach gekuppelten Maschinen der Gattung T3 im Bestand. 1907 befanden sich davon im Oberröblinger Bestand je 3 T3 mit 10 t Achslast, 7 T3 mit 12 t Achslast und 5 T3 mit 14 t Achslast. Im Bild steht eine, welche ist nicht erkennbar, vor einem Zug nach Querfurt im Bahnhof Oberröblingen am See. Viel kann man nicht erkennen, aber so ein Bild ist besser als gar keins. Hier kann man mehr dazu lesen.

Auch 4-fach gekuppelte Lokomotiven der Gattungen G 7.1 und G 7.2 gab es reichlich. Eine solche G7.1 sieht man rechts. 1903 kehrte man aber auf Vorschlag der Union Gießerei Königsberg zur C - gekuppelten Bauart zurück und stellte mit der preußischen G 4.3 (DR-Baureihe 53.3) eine verstärkte Variante der G 3, G 4.1 und G 4.2 in 58 Exemplaren her.

MPW57_55669_1000.jpg (113009 Byte)

       
 

g3_wittenberg_nach 1884_vor_1925_cs_b800.JPG (142822 Byte)

 

g3_nantes_6285_hano_1911_b700.jpg (159776 Byte)  
G 3 in Wittenberg bzw. kurz vor Pratau G 3 in Frankreich um 1911
       

g3_zeichnung_b1000.jpg (172466 Byte)

Zeichnung einer G3 nach Musterblatt 14 mit Allan-Außensteuerung. Mehrheitlich wurde diese Bauart ansonsten mit Innensteuerung ausgeführt.

       

 

Die noch in 27 Exemplaren übernommene Bauart G3  unterschied sich von den Vorgängerbauarten durch höhere Kessellage, größere Kessel - und Zylinderabmessungen, außen liegende Heusingersteuerung und auch durch eine Druckluftbremse, bei der die beiden letzten Achsen einseitig abgebremst wurden. Diese Loks waren vor allem für die Flachlandstrecken der Direktionen Königsberg und Danzig beschafft worden.

       

 

Aber - und das finde ich bemerkenswert - die Direktion Halle hatte 5 Maschinen in Oberröblingen stationiert. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass diese 5 Maschinen spätestens ab 1907 in Oberröblingen beheimatet wurden und dass die 27 von der DRG übernommenen Loks diese 5 eingeschlossen haben. Möglicherweise waren diese Maschinen dann bis in die späten 20er Jahre hier vorzufinden. Könnte passen, denn 1926/27 kamen die ersten preußischen T 16.1. 
 Ich danke Herrn Otfried Hubertus Eisenhardt für den Quellenhinweis.

 
 

 

1.Juli 1904 Verlängerung der Strecke Oberröblingen - Querfurt nach Vitzenburg/Unstrut

 

 

Am 1.Juli 1904 wurde die Verlängerung der Strecke Oberröblingen - Querfurt nach Vitzenburg/Unstrut in Betrieb genommen. Die Strecke Mücheln - Querfurt kam am 30.März 1911 dazu. In Querfurt entstand ein Lokbahnhof mit 2-gleisigem Lokschuppen in dem auch die Lokleitung untergebracht war. Querfurt war bis zuletzt Einsatzstelle des Bw Röblingen am See. Die Leistungen, die von hier aus gefahren worden sind, waren nicht unbedeutend.

Die verstärkte Industrialisierung der Bergbauregion im Südharz um Eisleben, Sangerhausen, und Nordhausen hatte erhebliche Steigerungen des Güterverkehrsaufkommen zur Folge. Wieder wurde es notwendig, leistungsfähigere Lokomotiven zu stationieren. 

Diese standen ab 1913 mit der preußischen T 16.1 zur Verfügung. Nach Oberröblingen (On) kam 1924 die 94 1341, wobei nicht erwiesen ist, dass die in On auch zum Einsatz kam.

Mit 94 1346 (1926), 94 1605, 94 1685, 94 1604, 94 1684 und 94 1607 und 94 1607 folgten 1927 die ersten T 16.1 und bis 1936 war der Bestand schon auf 16 Maschinen angewachsen, welche die kleineren Loks  aus dem Hauptstreckendienst verdrängten. Die T 16.1 übernahmen auch den gesamten Verkehr auf der Strecke nach Vitzenburg/Unstrut und wurden für eine lange Zeit zur bestimmenden Gattung im Bw Oberröblingen. Der höchste Bestand wurde mit 25 Maschinen im Jahre 1955 im Bw On erreicht.

     
     
 

Es existiert ein Foto von 94 1345. Die Lok (ex T16.1) ist mit dem Bw Oberröblingen - Schild versehen und war 1936 in On.  Das undatierte Bild kann man also um das Jahr 1936 einordnen. Weiterhin war in Erfahrung zu bringen : Lieferer: BMAG / Baujahr 1922 / Fabr.-Nr.:7779 / angeliefert in die KED ESSEN als "8693", spätere DRG 94 1345. Bei der Lokzählung im November 1945 wurde die Lok in Bad Schandau aufgefunden.

941345_b400.jpg (38988 Byte)  

 

 

 

Foto Sammlung bahnmotive.de

Im Oktober 2007 hat man den Lokschuppen abgerissen. Daran war zur Aufnahmezeit des Fotos nicht zu denken, obwohl es schwierig einzuordnen ist. Nach vorliegenden Lageplänen war der Schuppen bis zum Jahre 1894 nur 3-gleisig. Die 3 Gleise sind vermutlich auf dem Bild in Form der 3 mittleren zu erkennen. Die 1894 erfolgte Erweiterung um 2 Gleise ist in einem Plan von 1901 dargestellt.   Foto Sammlung Waack

Im Jahre 1902 sind Werkstatt und soziale Einrichtungen errichtet worden.
Die links zu sehenden Anbauten, zuletzt war das die Lokleitung, finden sich erstmals auf einem Plan von 1911. Im Schuppen steht links eine 94er, die die 94 1277 sein könnte.  Folgendes ist bekannt: Hersteller Maschinenfabrik Esslingen, als Essen 8647 abgeliefert nach Schlesien, 1925 von der DRG übernommen und als 94 1277 eingeordnet, 1945 bei der CSD verblieben, am 20.07.45 als 517.0500 eingeordnet, ab 07.09.45 als 537.0500 eingeordnet, bei CSD am 10.12.57 ausgemustert. Von (lew) erfahre ich:
Lok ab 1945 bei der CSD verblieben, war davor bei einer Betriebsnummernzählung der Rbd Halle im Januar 1936 im Bw Leipzig Bayr Bhf. Im August 1943 von der RBD Halle als an die RBD Oppeln abgegeben, erfasst.

     
 

Man könnte auch annehmen, es ist die 94 1271. Das könnte sein, wenn das RAW Halle Erhaltungswerk für das Bw Fulda war. Dort war die Lok bis 1934. Vielleicht kam sie auch vom Bw Limburg, dort war die Lok vom 12.04.34 bis 01.03.52 und wurde dort am 04.03.66 ausgemustert. Es könnte dann möglicherweise eine RAW Probefahrt vom RAW Halle gewesen sein. Letzteres ist aber eher unwahrscheinlich. Man könnte weiterhin annehmen, es ist die 94 1221. Hier ist eine Stationierung am 25.07.45 im Bw Zwickau bekannt und ab 1957 beim Bw Magdeburg Rothensee. Am 11.04.74 wurde sie ausgemustert. Mit dem Aufnahmedatum ist es also etwas schwierig

 

Sie könnte also theoretisch ab 1936 bis 1943 auch im Bw On gewesen sein. Die Umzeichnung der preußischen Lokomotiven erfolgte im wesentlichen bis 1926. Zu diesem Zeitpunkt sollten alle Lokomotiven eingeordnet gewesen sein und hatten wohl auch ihre neuen Schilder mit den typischen breiten Ziffern. Diese Schilder wurden 1938  durch die Spitzziffern abgelöst, wie wir sie noch aus der Zeit bis 1970 bei der DR kennen. Man könnte nun davon ausgehen, dass die Aufnahme aus der Zeit bis 1938 stammt. Links sieht man schon  Bauaktivitäten. Der Umbau der  hölzernen  Front des Lokschuppen - wie auf dem Bild zu sehen - soll etwa 1932 erfolgt sein. Diese Datumsangabe scheint nun aber nicht zu stimmen. Schildermäßig ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Aufnahme zwischen 1936 und 1938 entstanden ist. Wegen der abgedunkelten Lampen muss man aber die Zeit ab 1939 auch berücksichtigen.

lokschuppen_rn_um_1940_c_b800_small.jpg (29236 Byte)

In dieser Form hat der Schuppen praktisch bis auf wenige Änderungen bis zum Ende des Bw Röblingen bestanden. Auch das linke Foto, welches ich vor 30 Jahren dankenswerter Weise aus einem Familienalbum der Familie G. aus Röblingen abfotografieren konnte, lässt sich auf Grund der Einordnung im Album in die Kriegszeit des II. WK einordnen, auch weil die Pufferringe an der Lok im Schuppen Foto oben mit freundlicher Genehmigung B.G. (†) zur besseren Erkennbarkeit der Lokomotiven bei abgedunkelten Lampen in dieser Zeit angebracht waren.

Beginnend mit 58 2064, 58 1591 und 58 1637, die im Januar 1944 von Halle  kommend nach Orn umbeheimatet worden sind,  kamen ab Anfang 1944 Lokomotiven der Baureihen 58.10-21 und 58.2-3 ( ehemals preußische G 12 und badische G 12.1-7 ins Bw. Im Sommer 1945 war der Bestand auf 10 angestiegen und im Februar 1949 war mit 28 G12 der höchste Bestand an T16 erreicht. Dazu kamen einige 93er (preußische T14.1)  hinzu. Letztere übernahmen zeitweise auch den Personenverkehr zwischen Halle und Eisleben, was eher untypisch für das Bw Röblingen war. Damit wurden wiederum die T 16.1 aus dem Hauptstreckendienst verdrängt. 
Das Bw Orn gehörte nach einer Liste der Rbd Halle vom 28.03.1944 zusammen mit den Bw Großkorbetha, Halle G und Halle P sowie Merseburg zum Maschinenamt Cottbus der Rbd Halle. 


Über direkte Bombenangriffe auf die Anlagen des Bw im II. WK gibt es keine Angaben. In Röblingen selbst sind nach Erzählungen von Leuten, die diese Zeit hier erlebt haben, nur vereinzelt Bomben gefallen. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass besonders ab 1943 eine große Anzahl der Lokomotiven auf den Strecken durch gezielte Angriffe aus anglo-amerikanischen Kampfflugzeugen zu Schaden gekommen ist.

Das wird heute gern bestritten, die reihenweise zerschossenen und im Bw abgestellten Lokomotiven sprechen aber eine deutliche Sprache. In Orn wurden die 93er in den letzten Kriegsjahren mit Tarnanstrich versehen. Viel hat das nicht genützt, denn nach den Tieffliegerangriffen standen beschädigte Lokomotiven, schwarze und getarnte gemischt, reihenweise im Bahnhof Oberröblingen auf dem Ladestrassengleis und dem "Sportplatzgleis" (Gleis 29) abgestellt.
Berichtet wird, dass es dem Lokpersonal eines Personenzuges gelungen sein soll, dem Zug nach mehrmaligem Hin - und Herfahren im Erdeborner Einschnitt Deckung zu geben. Trotzdem wurde durch die Bordkanonen erst die Lokomotive fahrunfähig gemacht und dann der Zug angegriffen. Bei zahllosen Angriffen auf Züge sind auch Oberröblinger Personale ums Leben gekommen. Auf einer 93er ist ein Lokführer durch direkten Tieffliegerbeschuss getötet worden. Eine Dokumentation darüber, dass aus den Flugzeugen auf alles geschossen wurde, was sich auf der Straße, auf der Schiene und auf dem Wasser auch nur bewegte, kann man in diesen Farbfilmen sehen. Der Krieg war schon entschieden ... Wer es also bis jetzt nicht geglaubt hat, wie die "Westalliierten" die Zivilbevölkerung terrorisiert haben, sollte hier und
hier mal reinschauen. Sie haben sich bei ihrem Tun gefilmt...

 

Krieg ist uncool, echt. Zum Bw Röblingen war das noch nicht alles. Im 3.Teil geht es weiter.

 
     
   
     
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